Glossar rund um den Hund

Begriffe verstehen – Wissen vertiefen

Dieses Glossar bietet eine Übersicht zentraler Begriffe aus den Bereichen Hundeverhalten, Training, Lerntheorie und Erwachsenenbildung. Die Begriffe sind bewusst kurz und knapp formuliert und orientieren sich an aktuellen Erkenntnissen sowie an einer praxisnahen Anwendung im Hundetraining und in der Ausbildung von Menschen.

a

Adoleszenz
Bezeichnet die Entwicklungsphase zwischen Jugend und Erwachsensein. Sie ist geprägt von körperlichen Veränderungen, hormonellen Umstellungen sowie erhöhter Reaktivität und Emotionalität.
Adult
Bezeichnet ein erwachsenes Tier, das seine körperliche und geistige Reife erreicht hat. Der Zeitpunkt ist rasseabhängig und liegt meist zwischen dem 12. und 24., teilweise bis zum 30. Lebensmonat.
Affiliativ
BeBezeichnet freundliche, distanzverringernde Verhaltensweisen, die der Annäherung und dem Aufbau oder Erhalt sozialer Bin-dungen dienen (z. B. spielerische Annäherung, Körperkontakt, gegenseitiges Pflegen).
Aggression
Kommunikationsverhalten mit dem Ziel, Distanz zu vergrössern, Ressourcen zu sichern oder Konflikte zu lösen.
Agonistisch
Umfasst alle Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Wettbewerb, Konkurrenz und sozialen Auseinandersetzungen zwischen Artgenossen.
Altenativverhalten
Ein gezielt aufgebautes, erwünschtes Verhalten, das in bestimmten Situationen anstelle eines unerwünschten Verhaltens gezeigt wird.
Allelomimetisch
Form der sozialen Synchronisation, bei der Hunde Verhalten oder emotionale Zustände anderer Hunde oder Menschen imi-tieren (Mach-mit-Verhalten).
Andragogik
Wissenschaft und Lehre des Lernens und der Bildung Erwachsener; betont selbstgesteuertes Lernen, den Einbezug von Erfahrungen sowie Praxis- und Problemlösungsorientierung.
Antezedenz; Antezedentien
Bezeichnet alle Reize, Situationen oder Ereignisse, die einem Verhalten vorausgehen und dieses auslösen oder beeinflussen.
Appetenzverhalten
Bezeichnet ein angeborenes Suchverhalten – ungerichtet oder gerichtet – nach Reizen, um ein Bedürfnis zu befriedigen. -> siehe auch Emotionale Systeme -> SEEKING.
Artgerecht
Bezeichnet eine Form der Haltung, die sich so gut es geht an den natürlichen Bedürfnissen und Lebensbedingungen des Tieres orientiert
Assoziation
Verknüpfung von zwei oder mehreren Reizen/Ereignissen.
Assoziatives Lernen
Lernform, bei der eine Verknüpfung zwischen zwei Reizen oder zwischen einem Reiz und einem Verhalten hergestellt wird.
Aufmerksamkeit
Ist ein Prozess im Gehirn, der nicht direkt beobachtbar ist. Daher benötigen wir einen indirekten, sichtbaren Hinweis darauf, dass der Hund seine Aufmerksamkeit auf einen Auslöser richtet → Orientierungsreaktion.
Ausdrucksverhalten
Gesamtheit aller Signale (z. B. Körpersprache, Mi-mik, Lautäußerungen, Bewegung), mit denen Emotionen und Handlungsabsichten kommuniziert werden.
Auto-Shaping
Beschreibt den Übergang von klassischer Konditionierung (Reiz–Reiz-Verknüpfung) zu operantem Verhalten, bei dem der Hund spontan eine Handlung zeigt.
Aversiv
Bezeichnet Reize, Situationen oder Massnahmen, die vom Hund als unangenehm, belastend oder bedrohlich empfunden werden und daher gemieden werden. Aversive Einwirkungen können Stress, Unsicherheit oder Angst auslösen und beeinflussen das Verhalten häufig durch Vermeidung oder Abwehr.
Aversive Methoden
Trainingsansätze, bei denen unangenehme Reize eingesetzt werden, um Verhalten zu unterdrücken oder zu verändern. Sie basieren häufig auf positiver Strafe und sind aus trainingsethischer Sicht kritisch zu bewerten.

B

BAS (Behavioral Activation System)
Neurobiologisches System, das auf Belohnungssignale reagiert und Annäherungsverhalten sowie Aktivität fördert.
Bedürfnis
Ein innerer Zustand, der ein Verhalten motiviert, um ein bestimmtes Ziel oder Gleichgewicht zu erreichen.
Bedürfnisorientiert
Ausrichtung am individuellen Wohlbefinden sowie an den körperlichen und rassespezifischen Bedürfnissen des Hundes; diese werden im Training berücksichtigt.
Belohnung
Eine angenehme Konsequenz, die auf ein Verhalten folgt und dessen Auftretenswahrscheinlichkeit erhöht.
Belohnungsorientiert
Trainingsansatz, bei dem erwünschtes Verhalten durch Belohnungen (z. B. Futter, Spiel, Umweltzugang) verstärkt wird.
Beratung
Form der Unterstützung, bei der Wissen vermittelt und Hilfestellung gegeben wird, um Zusammenhänge zu verstehen und Lösungen zu entwickeln, ohne die direkte Verantwortung für die Umsetzung zu übernehmen.
Bindung
Stabile emotionale und soziale Beziehung zwischen Hund und Mensch, geprägt von Vertrauen, Sicherheit und dem Bedürfnis nach Nähe.
BIS (Behavioral Inhibition System)
Neurobiologisches System, das auf potenzielle negative Konse-quenzen reagiert und Verhaltenshemmung, Vorsicht sowie Rückzug auslöst.
Body Block
Körpersprachliches Einsetzen des eigenen Körpers, um den Hund zu stoppen, zu begrenzen oder auf Distanz zu halten. Diese Massnahme arbeitet mit Druck und Einschüchterung und ist aus trainingsethischer Sicht kritisch zu bewerten.
Brückensignal
Konditioniertes Signal, das während eines Verhaltens gegeben wird und ankündigt, dass eine Belohnung folgt. Es überbrückt die Zeit bis zum Markersignal und zur Verstärkung.

C

Coaching
Prozess, bei dem die ratsuchende Person dabei unterstützt wird, eigene Wahrnehmungen und Handlungen zu reflektieren und selbstständig Lösungen zu entwickeln.
Contra Free Loading CFL
Beschreibt die Tendenz von Tieren, für ihre Nahrung eine Gegenleistung zu erbringen (z. B. Suchen oder Problemlösen), obwohl sie frei verfügbar wäre. Das aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn deutlich stärker als eine passive Fütterung.
Cue Seeking Behavior / Signalsuchendes Verhalten
Bezeichnet in der Psychologie und Verhaltensforschung das aktive Suchen nach oder Reagieren auf Umweltreize (Cues), die mit bestimmten Konsequenzen verknüpft sind.

D

Delay Discount
Verzögerung zwischen Handlung/Verhalten und Belohnung. Dadurch wird die Belohnung abgewertet.
Desensibilisierung
Ein Prozess, bei dem eine schrittweise Annäherung an einen angst- oder stressauslösenden Reiz praktiziert wird. Die Intensität wird so gewählt, dass der Hund entspannt bleibt, und erst bei Stabilität langsam gesteigert.
Didaktik
Umfasst die wissenschaftliche und praktische Beschäftigung mit dem Zusammenhang von Unterrichten und Lernen und beschreibt, wie die Lehrperson Einfluss auf Lernprozesse nehmen kann.
Didaktische Prinzipien
Grundlegende Leitlinien zur Planung und Gestaltung von Lernprozessen, die effektives, verständliches und nachhaltiges Lernen unterstützen.
Didaktisches Prinzip Handlungsorientierung
Ansatz, bei dem Lernen durch aktives Tun erfolgt. Theorie, praktische Anwendung und Reflexion werden miteinander verknüpft, um Handlungskompetenz aufzubauen.
Didaktisches Prinzip Praxis- und Transferorientierung
Verknüpfung von theoretischem Wissen mit praktischer Anwendung, mit dem Ziel, Erkenntnisse in konkrete Handlungssituationen zu übertragen und nachhaltig nutzbar zu machen.
Didaktisches Prinzip Zielorientierung
Ausrichtung von Lernprozessen an klar definierten Zielen, anhand derer Lernfortschritte und Leistungen beurteilt werden.
Dominanz
Bezeichnet im verhaltensbiologischen Kontext die situative Durchsetzung eines Individuums gegenüber einem Artgenossen in Bezug auf eine bestimmte Ressource zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dominanz ist keine feste Eigenschaft und beschreibt kein dauerhaftes Verhalten.
Dopamin
Ein Neurotransmitter im Gehirn, der eine wichtige Rolle bei Motivation, Belohnung, Lernen und Bewegung spielt. Es wird oft mit Gefühlen von Freude oder Antrieb verbunden.
Domestikation
Prozess, bei dem Wildtiere oder Wildpflanzen über Generationen hinweg genetisch und phänotypisch an den Menschen angepasst werden.
Duales Prinzip
Die Berücksichtigung des Dualen Prinzips – Aktivitätslevel hoch vs tief, viel vs wenig Impulskontrolle, Bewegungsrichtungen, Einzelübungen vs Gruppenübungen etc. ermöglicht eine ausgewogene Vielfalt im Training.

E

Emotion
Ist eine komplexe Reaktion auf einen Reiz. Sie umfasst die Bewertung des Reizes, die Aktivierung des autonomen Nervensystems, Wahrnehmungsprozesse sowie Verhaltensreaktionen.
Emotionale Systeme
Angeborene neuronale Systeme im Gehirn von Säugetieren, die grundlegende emotionale Zustände und Verhaltensweisen steuern.
Emotionales System - CARE
System, das Fürsorgeverhalten, soziale Bindung und den Umgang mit Nachkommen fördert.
Emotionales System – LUST
System, das Fortpflanzungsverhalten sowie sexuelle Motivation steuert.
Emotionales System - PANIC/GRIEF
System, das bei Trennung oder Verlust aktiviert wird und die Wiederherstellung sozialer Nähe unterstützt.
Emotionale System - PLAY
System, das spielerische Interaktion ermöglicht und soziale Entwicklung sowie Bindung fördert.
Emotionales System – RAGE
System, das bei Frustration oder Bedrohung aktiviert wird und der Verteidigung von Ressourcen dient.
Emotionales System – SEEKING
System, das Explorationsverhalten, Neugier und zielgerichtetes Handeln fördert.
Enrichment
Gezielte Gestaltung der Umwelt, um das Verhalten, Wohlbefinden und die geistige Auslastung des Tieres zu fördern.
Erregungslevel
Grad der inneren Aktivierung (Anspannung oder Aufregung) eines Hundes.
Ethologie
Teilgebiet der Verhaltensbiologie, das sich mit dem natürlichen Verhalten, dessen Ursachen, Entwicklung und Funktion befasst (beim Hund: Canis lupus familiaris).
Evolution
Langfristige Entwicklung von Lebewesen über Generationen hinweg durch Anpassung an Umweltbedingungen.
Extinktion / Löschung
Lernprozess, bei dem ein zuvor verstärktes Verhalten abnimmt und schliesslich verschwindet, weil die verstärkende Konsequenz dauerhaft ausbleibt.
Exit-Target
Ein gezielt aufgebautes Objekt oder Ort, den der Hund aufsuchen kann, um eine Pause oder einen Trainingsabbruch zu signalisieren.

F

Funktionale Verhaltensanalyse FVA
Strukturiertes Verfahren zur Analyse von Verhalten anhand von Antezedenzien, Verhalten und Konsequenzen (ABC-Modell), um Funktion und Ursachen eines Verhaltens zu verstehen.
Flooding/Reizüberflutung
Methode, bei der ein Hund ohne Ausweichmöglichkeit intensiv einem angstauslösenden Reiz ausgesetzt wird; aus trainingsethischer Sicht kritisch zu bewerten.
Frustrationstoleranz
Fähigkeit, unerfüllte Erwartungen oder ausbleibende Belohnungen auszuhalten, ohne unangemessen stark zu reagieren.
Feedback
Rückmeldung über beobachtetes Verhalten und dessen Wirkung auf andere.

G

Generalisierung
Übertragung eines gelernten Verhaltens auf unterschiedliche Situationen, Orte oder Reize.
Gegenkonditionierung
Verfahren, bei dem eine bestehende negative emotionale Reaktion auf einen Reiz durch wiederholte Verknüpfung mit positiven Reizen verändert wird.
Gewaltfrei
Trainingsansatz, der ohne Schmerz, Angst, Einschüchterung oder Strafe arbeitet.

H

Habituation (Gewöhnung)
Eine Form des Lernens, bei der die Reaktion auf einen wiederholt auftretenden Reiz mit der Zeit abnimmt oder ausbleibt. Der Hund lernt, dass der Reiz keine Bedeutung hat und keine Konsequenzen folgen.
Hundetypen
Klassifikation von Hunden anhand von Temperament, Arbeitsweise, rassetypischen Eigenschaften oder sozialen Rollen. Sie dient dazu, individuelle Verhaltensweisen, Bedürfnisse und Anlagen besser zu verstehen – unabhängig von der Rasse.

I

Impulskontontrolle
Fähigkeit, eigene Handlungsimpulse zu regulieren und bei Reizen nicht unmittelbar zu reagieren, sondern Verhalten bewusst zu steuern.
Individualdistanz
Individueller Abstand, den ein Hund zu anderen Lebewesen einhalten möchte, um sich sicher zu fühlen.
Intermediäre Brücke
Silben-Signal vor dem Markersignal, das dem Hund hilft, Verhalten in schwierigen Situationen aufrechtzuerhalten.

J

Jagdverhalten
Angeborene Verhaltenssequenz, die auf das Beobachten, Anschleichen, Verfolgen,Fangen und ggf. Töten von Beute ausgerichtet ist.

K

Kausalität
Beschreibt den Zusammenhang von Ursache und Wirkung.
Kern Affekt Matrix
Konzept zur Einordnung emotionaler Zustände anhand der Dimensionen Valenz (angenehm–unangenehm) und Aktivierung (hoch–niedrig)..
Keep Going Signal
Ein ruhig ausgesprochenes Wort und/oder ein eindeutiges Handsignal Signal, das den Hund während eines Verhaltens informiert, dass er dieses weiterhin zeigen soll und eine Belohnung folgt. .
Klassische Konditionierung
SLernform, bei der ein ursprünglich neutraler Reiz mit einem Reiz verknüpft wird, der eine natürliche Reaktion auslöst (unkonditionierter Reiz, z. B. Futter, Licht, Wärme oder Berührung). Unkonditionierte Reize können unangenehm oder angenehm für das Tier sein.
Kognition
Umfasst alle Mechanismen zur Aufnahme, Verarbeitung, Speicherung und Nutzung von Informationen. Dazu gehören Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnis und Entscheidungsfindung..
Kompetenzorientierte Erwachsenenbildung
Ansatz, der den Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Haltungen in den Mittelpunkt stellt. Ziel ist die selbstständige Bewältigung von beruflichen und alltäglichen Anforderungen.
Kommando
Ein Kommando zielt darauf ab, ein bestimmtes Verhalten auszulösen und wird traditionell unter Einbezug von Belohnung, Ausbleiben von Belohnung und/oder Bestrafung aufgebaut. Durch die Kombination dieser 3 Konsequenzen sind Kommandos für viele Hunde mit zwiespältigen Gefühlen verknüpft.
Konditionierung
Formen des Lernens von Reiz-Reiz-Assoziationen bzw. Reiz-Reaktions-Assoziationen durch wiederholte Verknüpfung.
Konditionierte Entspannung
Ein spezifischer Reiz (Wort, Geruch oder Berührung) wird durch klassische Konditionierung mit einem Zustand tiefer Ruhe und Entspannung verknüpft.
Konsensverhalten
Kooperativer Trainingsansatz, der auf Freiwilligkeit und Mitspracherecht des Hundes basiert.
Konsequenz
Ist die Folge auf ein Verhalten und deren Einfluss auf zukünftiges Verhalten.
Kontiguität
Ist die strenge zeitliche und räumliche Verknüpfung von Ereignissen/Reizen.
Kontingenz
Beschreibt wie zuverlässig zwei Ereignisse gemeinsam auftreten (Zusammenhangshäufigkeit).
Korrelation
Statistischer Zusammenhang zwischen zwei Variablen, ohne dass daraus zwingend eine Ursache-Wirkungs-Beziehung abgeleitet werden kann.
Kynologie
Wissenschaft vom Hund; umfasst u. a. Rassenkunde, Zucht, Haltung, Verhalten, Erziehung und Gesundheit.

L

Lernen
Erwerb neuen Wissens oder die Veränderung bzw. Anpassung bestehenden Wissens.
Lerntheorie
Gesamtheit wissenschaftlicher Modelle zur Beschreibung und Erklärung von Lernprozessen und Verhaltensveränderungen.

M

Mand-Verhalten
Von „demand“ oder „command“ abgeleitet; eine (körper-)sprachliche Äusserung, die darauf abzielt, etwas zu erhalten (z. B. Aufmerksamkeit, Handlung, Objekt).
Markersignal
Ein Signal, das exakt das gewünschte Verhalten markiert und eine positive Konsequenz ankündigt.
Markersignal, einfach
Spezifisches Signal, das dem Hund präzise ankündigt, welche Belohnung folgt und wo diese erfolgt.
Markersignal, generalisiert
Signal, das dem Hund anzeigt, dass ein Verhalten korrekt ist und eine Belohnung folgt; ist mit unterschiedlichen Verstärkern verknüpft.
Methodik
Beschreibt das „Wie“ der Unterrichtsgestaltung, also die planmäßige Vorgehensweise, um Lerninhalte zu vermitteln und Bildungsziele zu erreichen.
Motivation
Innerer oder äusserer Antrieb, der Verhalten auslöst, steuert und aufrechterhält.
Motivation intrinsisch
Antrieb, Verhalten aus sich selbst heraus zu zeigen (z. B. Neugier, Freude, Bedürfnisbefriedigung).
Motivation extrinsisch
Antrieb durch äussere Reize wie Futter, Spiel oder soziale Verstärkung.

N

Negativmarker
Signal, das anzeigt, dass ein Verhalten nicht zum Erfolg führt und keine Belohnung erreicht werden kann.
Negative Strafe
Entzug einer angenehmen Ressource nach einem unerwünschten Verhalten.
Negative Verstärkung
Ein unangenehmer Reiz wird beendet oder entfernt, wodurch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das vorausgehende Verhalten häufiger gezeigt wird.

O

Ontogenese
Bezeichnet in der Biologie die Entstehung und Entwicklung eines einzelnen Organismus im Laufe seines Lebens.
Operante Konditionierung
Lernform, bei der Verhalten durch seine Konsequenzen beeinflusst wird (Verstärkung oder Bestrafung).
Orientierungsreaktion
Ausrichtung von Kopf oder Körper in Richtung eines Reizes; dient als Hinweis auf Aufmerksamkeit (siehe auch Aufmerksamkeit).

P

Perzeption
Verarbeitung sensorischer Informationen, die zur Wahrnehmung relevanter Umweltreize führt.
Phylogenese
Stammesgeschichtliche Entwicklung einer Art.
Positive Strafe
Hinzufügen eines unangenehmen Reizes, um ein bestimmtes Verhalten des Hundes zu verringern oder zu stoppen.
Positive Verstärkung
Hinzufügen einer angenehmen Konsequenz (z. B. Futter, Spiel, Zugang zu Ressourcen),um das erwünschte Verhalten zu verstärken.
Postzedentien
Ereignisse oder Reize, die auf ein Verhalten folgen und dieses beeinflussen.
Prägung
Sonderform des Lernens, bei der bestimmte Erfahrungen in einer sensiblen Phase nachhaltig und kaum umkehrbar verankert werden.
Pubertät
Entwicklungsphase, in der die Geschlechtsreife erreicht wird; gekennzeichnet durch hormonelle und körperliche Veränderungen.
PUK
Plötzlicher Umwelt Kontrast - Ein plötzlich auftretender, stark abweichender Reiz in der Umgebung, der Aufmerksamkeit und Reaktion auslöst.

R

Reiz
Stimulus aus der Umwelt oder dem Körperinneren, der eine Reaktion auslöst.
Reflex
Unwillkürliche, schnelle und stereotype Reaktion des Nervensystems auf einen spezifischen Reiz. Er dient oft dem Schutz des Körpers und läuft automatisch ab, ohne bewusste Steuerung.
Reflex bedingt
Erlernter Reflex (z. B. Speichelfluss beim Klang einer Glocke).
Reflex unbedingt
Angeborener Reflex (z. B. Lidschluss- oder Schmerzreflex).
Reflexion
Bewusstes Nachdenken über eigenes Handeln und Erfahrungen mit dem Ziel, diese zu verstehen und weiterzuentwickeln.
Ressource
Alles, was für den Hund in einem bestimmten Moment von Wert ist (z. B. Futter, Spielzeug, Liegeplätze, Sozialpartner).
Ressource Holding Potential
Beschreibt das Potenzial eines Individuums, eine Ressource (Futter, Liegeplätze, Sozialpartner) gegenüber anderen zu behaupten oder zu verteidigen.
Rudel
Bezeichnet eine geschlossene und individualisierte Gruppe von Säugetieren. Ein Rudel ist eine geschlossene Gruppe, weil die Mitglieder eines Rudels nicht beliebig austauschbar sind.
Rückgratverhalten
Stabil aufgebautes Verhalten mit hoher Verstärkungsgeschichte, das auch unter Ablenkung zuverlässig gezeigt wird.

S

Sensibilisierung
Lernprozess, bei dem die Reaktion auf einen Reiz zunimmt; häufig als Folge von als unangenehm oder bedrohlich erlebten Reizen.
Signal
Ein Hinweisreiz, der ein bestimmtes Verhalten auslösen will und überwiegend über Belohnung oder allenfalls über das Ausbleiben von Belohnung aufgebaut wird. Signale sind für den Hund in erster Linie mit positiven Emotionen verbunden und bilden Basis des freundlichen Hundetrainings.
Sinnesorgane
Spezialisierte Organe (Augen, Nase, Ohren, Haut, Zunge), die Reize aufnehmen und Wahrnehmung ermöglichen.
Sozialisation
Lernprozess, bei dem positive Erfahrungen mit Umweltreizen, Lebewesen und Situationen gesammelt werden.
Soziales Lernen
Lernen durch Beobachtung und Nachahmung von Artgenossen oder Menschen.

St

Stress
Natürliche Reaktion des Körpers auf Anforderungen oder Herausforderungen (Stressoren), die eine Anpassung erfordern.
Startbutton
Vom Hund aktiv gezeigtes Verhalten, das seine Bereitschaft zur Teilnahme an einer Situation signalisiert.

t

Target
Zielobjekt, an dem sich der Hund zu einem Ort, in eine Bewegung oder zu einer Berührung/Körperkontakt orientiert.
Trainingslehre
Systematisches Wissen über Lernprozesse und Methoden zur gezielten Verhaltensbeeinflussung.
Trainingsplanung
Strukturierter, kleinschrittiger Ablauf von Verhaltenszielen, Lernschritten, Markerpunkt und Belohnung sowie Ort der Belohnung.
Trainingsprotokoll
Schriftliche Dokumentation von Trainingseinheiten zur Nachverfolgung von Fortschritten und Analyse des Trainingsverlaufs.

U

Umweltbelohnungen
Belohnung, die aus der Umgebung entsteht (z. B. Schnüffeln, Freilauf) und ein Verhalten verstärkt.
Umwelterkundung
Aktives, selbstbestimmtes Erkunden der Umgebung, um Reize aufzunehmen, zu verarbeiten und Sicherheit im Umgang mit der Umwelt zu gewinnen.

V

Verhalten
Alle beobachtbaren Aktivitäten eines Organismus.
Verhalten, Latenz
Zeitspanne zwischen Reiz und Beginn eines Verhaltens. Verstärkung erkennbar: Die Latenz wird kürzer (das Verhalten beginnt schneller). .
Verhalten, Dauer
Die Zeit, über die ein Verhalten ohne Unterbrechung aufrechterhalten wird. Verstärkung erkennbar: Die Dauer nimmt zu (das Verhalten hält länger an). .
Verhalten, Intensität
Die Widerstandsfähigkeit eines Verhaltens gegenüber Ablenkungen oder Störungen. Verstärkung erkennbar: Die Intensität steigt (das Verhalten bleibt trotz Ablenkung bestehen).
Verhalten, Häufigkeit
Die Anzahl, wie oft ein Verhalten in einem bestimmten Zeitraum gezeigt wird. Verstärkung erkennbar: Die Häufigkeit nimmt zu (das Verhalten tritt öfter auf).
Verhalten einfangen
Verhalten tritt auf und wir fangen es ein..
Verhalten locken
Der Hund wird in das Verhalten gelockt.
Verhalten manipulieren
Das Verhalten wird durch äussere Reize stimuliert.
Verhalten shapen/formen
Das Verhalten wird aus einem ersten kleinen Schritt herausgeformt.
Verstärker
Eine Konsequenz, die die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein Verhalten häufiger, schneller, länger, stabiler gezeigt wird.
Verstärker funktional
Ein Verstärker, der dem aktuellen Bedürfnis des Hundes entspricht und deshalb wirksam ist.
Verstärkung differentiell
Verfahren, bei dem gezielt erwünschtes Verhalten verstärkt und anderes Verhalten nicht verstärkt wird. Dadurch wird erwünschtes Verhalten gefördert, ohne dass unerwünschtes Verhalten direkt bestraft werden muss..
Verstärkung differenzierend
Jedes Verhalten, welches nicht dem Problemverhalten entspricht, wird verstärkt. Differentielle Verstärkung nutzt funktionale Verstärker und Extinktion. .
Verstärkung variabel
Verstärkungsplan, bei dem die Verstärkung in unregelmässigen Abständen erfolgt.
Verhaltensunterbrechung
Signal, das ein das ein unerwünschtes Verhalten im Moment der Ausführung unterbricht, ohne dabei als Strafe zu wirken.