Therapiehund

Brückenbauer auf vier Pfoten

Licht in einen tristen Alltag bringen, Streicheleinheiten schenken, Erinnerungen lebendig werden lassen, Heilung fördern - Therapiehunde  vollbringen in ihren Einsätzen immer wieder kleine Wunder. Die sind jedoch nur möglich, wenn der Hund und sein Mensch bestimmte Voraussetzungen mitbringen.

Therapiehund Django liegt neben einem Rollator und scheint etwas kamerascheu
Therapiehund Django liebt seine Arbeit, Fotografiertwerden eher nicht so

 

Seit vier Jahren besuche ich mit einem meiner beiden Hunde regelmässig Bewohnerinnen und Bewohner eines Altersheims, einer Demenzabteilung, einer psychiatrischen Abteilung und aktuell Patienten einer Reha. Und ganz oft werde ich gefragt, welche Rasse denn geeignet sei für die Ausbildung zum Therapiehund, und was er können muss.

 

Hierzu ganz kurz mal meine Geschichte: Es war mein grösster Wunsch, einen Hund zu haben, den ich für diese Art von Einsätzen ausbilden kann. Denn ich hatte damals einen therapeutischen Beruf mit Kindern und wusste, dass die Arbeit mit dem Hund eine grosse Bereicherung sein kann. Und ich wusste auch, welche Rasse dafür in Frage kam, weil sie vom Wesen her in meinen Augen am besten für die Aufgabe eines Therapiehundes passen würde – der Labrador. Der blonde Typ gefiel mir nicht so sehr, also musste es zwingend ein brauner Labrador sein, weil ich davon ausging, dass die schwarzen Exemplare eher Angst einflössen.

Mittlerweile habe ich zwei Labradore. Und nur einer ist als Therapiehund geeignet und ausgebildet (Django), der andere (Eros) ist es nicht, denn er ist sehr ungeduldig, kann nicht ruhig warten, will beschäftigt werden. Ausserdem findet er es nicht so toll, von fremden Menschen gestreichelt zu werden. Es ist also offensichtlich nicht die Rasse, auch nicht die Grösse eines Hundes, die einen «guten» Therapiehund ausmachen, sondern in letzter Konsequenz die individuelle Eignung. Daher kommen eben auch Hunde aus dem Tierschutz für diese Arbeit in Frage, sofern sie nicht schreckhaft sind und Menschen lieben. Und wie ich heute weiss, ist auch die Fellfarbe nicht relevant, da so oder so nur Personen besucht werden, die generell keine Angst vor Hunden haben.

Ein Irischer Wolfshund besucht mit seiner Halterin eine Seniorin und wird mit Streicheleinheiten begrüsst
Sanfter Riese im Einsatz - der Irische Wolfshund Faun

Zur Frage, was der Hund können muss. In erster Linie muss er Menschen toll finden, auch fremde. Verschmust muss er nicht zwingend sein und auch nicht tausend Trickli auf Lager haben. Denn die wesentliche Funktion und Wirkung eines Therapiehundes ist die der Brückenbildung, er hilft, miteinander ins Gespräch zu kommen: alte Menschen erinnern sich an ihre Hunde, Reha-Patienten erzählen von ihrem Hund zu Hause (der logischerweise auf sie wartet!) oder geniessen einen Spaziergang mit dem Hund, demente Patienten haben Freude an der blossen Anwesenheit eines Tieres. Oftmals reicht es, einfach einen Hund dabei zu haben, Streichelmöglichkeiten zu schaffen oder ein paar Lieblingsbeschäftigungen des Hundes zu zeigen, um den Kontakt mit den Menschen herzustellen.

Therapiehunde dürfen kein Problem damit haben, während des Einsatzes von fremden Menschen angefasst zu werden
Angefasst zu werden gehört für einen Therapiehund zum Job

Weil Hund und Mensch ein Therapie-Team bilden, sollte natürlich auch der Hundebesitzer gewisse Dinge beachten. Zunächst einmal und ganz wichtig muss er seinen Hund so gut kennen, dass er weiss, was ihm Spass macht, wo er Unterstützung, wann er eine Pause braucht oder der Besuch ganz beendet werden muss. Mein Django ist beispielsweise definitiv kein Schmusehund und mag es nicht, über den Kopf gestreichelt zu werden – da weicht er aus. Also zeige ich dem besuchten Menschen, wo Django Streicheleinheiten sehr gerne hat, nämlich auf dem Rücken und am liebsten beim Rutenansatz. Alles, was mit Futter verbunden ist, findet Django toll – Suchspiele, Futterball, Leckerlizopf etc. Die Menschen beobachten einfach auch gerne auf Distanz, was der Hund macht mit dem Ball oder wie er sucht – und meistens kann Django mit all diesen einfachen Futterspielen schon mehr bieten als erwartet wird.

Für den Menschen im Therapieteam ist es das Ziel, den Besuch für alle Beteiligten positiv zu gestalten. Hierfür braucht er ein sorgfältiges und gutes Einfühlungsvermögen in fremde Personen, er muss eine Situation schnell erfassen können und darf gleichzeitig den Hund nie aus den Augen lassen. Und: er muss seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellen. Es interessiert die wenigsten Patienten, was den Therapieteam-Menschen gerade beschäftigt, der Patient und der Hund sollen im Mittelpunkt sein und bleiben. Die eigenen Sorgen und Themen haben bei einem Besuch keinen Platz.

Nach einem Einsatz lasse ich Django jeweils Zeit, wieder anzukommen in der anderen, in unserer Welt. Je nach Jahreszeit und Örtlichkeit erhält er eine besondere Belohnung – eine Runde baden im See oder ein Knabberohr mit Haaren oder ein Spaziergang, bei dem ich mich ganz seinem Tempo anpasse. Das gibt auch mir Zeit, mich wieder im Alltag zu orientieren, in den ich nach den Begegnungen mit den alten oder kranken Menschen zufrieden und bereichert zurückkehre.

 

Wer sich näher mit dem Thema „Therapiehund“ beschäftigen möchte, findet hier weitere Informationen: www.helferhund.ch und  www.hundart.ch. Ausserdem kann ich folgende Bücher empfehlen:

  • Dr. Carola Otterstedt: Tiere als therapeutische Begleiter, Kosmos Verlag
  • Inge Röger-Lakenbrink: Das Therapiehunde-Team, Kynos Verlag
  • Agnes Habe nicht: Hunde in der Sprachtherapie einsetzen, Reinhardt Verlag

Beatrice Matthys, Leiterin Hundeschule  Hundart Thunersee und Inhaberin Helferhund - Meine Hunde heissen Django und Eros

- Mein Motto im Umgang mit Hunden: Behandle deinen Hund so, wie du gerne selber behandelt wirst
- Der Film, in dem meine Hunde die Hauptrolle spielen, hätte den Titel "Der alltägliche Wahnsinn"

- Mein Lieblingsbuch zum Thema Hund: "Fridolin. Ein Dackel, ein verlorenes Halsband

  und ein grosses Abenteuer" von Franz Caspa, Eine Kindheitserinnerung ...
- Was ich an meinen Hunden besonders liebe: ihre stete Lebensfreude
- Mein erster Hund war ein Viszla namens Sisto

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Kommentare: 2
  • #1

    Inken (Sonntag, 31 Januar 2016 19:26)

    Ich bin mir gar nicht so sicher, ob das etwas für mich wäre.. ich bin mir ziemlich sicher, dass einer meiner Hunde sehr geeignet ist. Er ist ein Menschenliebhaber. Nun frage ich mich: Wie lange dauert die Ausbildung und wie zeitintensiv ist sie?

  • #2

    Beatrice (Sonntag, 31 Januar 2016 19:47)

    Liebe Inken
    Gerne gebe ich dir auf detaillierte Fragen Antworten - nimm doch via www.helferhund.ch Kontakt auf mit mir!