Agility

Wäre weniger vielleicht mehr?

Schneller, höher, enger gesteckt - angesichts der hohen Anforderungen des modernen Agility stellt sicht die Frage, ob diese Beschäftigung auf Wettbewerbsebene den Hunden eigentlich noch Spass machen kann.

Es ist rund 25 Jahre her, dass ich zum ersten mal „Agility-Luft“ geschnuppert habe, mit meinem Samojeden Lasko. Er hatte einige Unsicherheiten im Alltag gezeigt, und ich erhoffte mir, durch die gemeinsame Aufgabenbewältigung an den Geräten seine Selbstsicherheit und unsere Bindung zu stärken. Was auch gelang. Vor allem zeigte sich, dass Lasko grossen Spass an dieser Art von Beschäftigung hatte. Das sah auch unsere Trainerin so, und ich entschied mich, die Lizenz zu lösen und an Wettkämpfen teilzunehmen. Diese Wettkampftage habe ich noch gut in Erinnerung, ein buntes Treiben von ganz unterschiedlichen Rassen und Mischlingen. Neben dem offiziellen Agility-Lauf gabe es noch eine Vielfalt an Spielen wie z.B. einen Gambler, «Zeit-Fehler-Aus», eine Stafette, einen Team-Lauf oder Jumping .

Foto: pixabay
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Die Parcours selbst waren vergleichsweise einfach gestellt: Die Maximalzeit war höher angesetzt, es gab keine engen Wendungen, kein Gerät von hinten anzunehmen, und in den unteren Klassen waren einfache Läufe mit höchstens zwei Handwechseln zu absolvieren. Zwischen den Läufen gab es Pausen von oft zwei Stunden oder mehr. Zeit, die ich zum ausgiebigen Kuscheln auf unserer Decke nutzte. Mein Hund lag in absoluter Tiefenentspannung bei mir, um uns herum das bunte Wettkampftreiben.

 

Und Agility heute? Die Rassenvielfalt ist nahezu auf eine Gruppe von sechs, sieben Rassen eingeschränkt – eben die wendigen, schnellen und leicht trainierbaren Hunde. Ab und zu sieht man – in den unteren Klassen – noch Vertreter der Jagdhundegruppen, Windhunde, Golden Retriver, Labradore, welche von den Zuschauern als Exoten empfnden werden: „Wow, wie schön, hast du gesehen, sie startet mit einem Dalmi“! Die Parcours sind bereits in der Anfänger-Klasse sehr anspruchsvoll und mit einer eher tiefen Maximalzeit gestellt. Ein Wettkampftag ist oft nur noch ein Halbtag, damit nicht zu viel Zeit investiert werden muss, und die grosse Masse an startenden Teams bewältigt werden kann – schliesslich startet der/die motivierte Agilityaner/in fast jedes Weekend. Statt Kuschelentspannung auf einer Decke erwartet die Hunde das Auto, in das sie nach dem Lauf „versorgt werden“, damit sie nicht zu stark überdrehen und gestresst sind. Wenn ich jedoch an den Autos vorbei gehe, dann höre ich fast ausschliesslich gestresst bellende Hunde. Was nachvollziebar ist, denn das ständige Treiben auf dem Parkplatz ist nicht gerade dazu angetan, den Hunden beim Entspannen zu helfen.

Foto: pixabay
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Der Aufbau eines professionellen Wettkampfs legt bereits zu Beginn Wert auf Geschwindigkeit. Immer schneller, enger, komplizierter und damit immer anspruchsvoller – so soll sich der Agility-Sport zeigen. Und zugegeben, es sieht spektakulär aus, wenn Profi-Hunde und Profi-Menschen zusammen laufen. Aber ohne behaupten zu wollen, dass früher alles viel besser war, halten wir doch mal kurz inne und fragen uns, ob das unserem Leistungssport zielgebende „schneller, höher, weiter“ das Agility in die richtige Richtung führt. Ich bin überzeugt, dass unsere Hunde genausoviel Spass hätten, wären die Sprünge nicht so hoch, wäre die A-Wand nicht so steil, wäre der Tunnel im Durchmesser etwas grösser, wären die Parcours etwas runder gestellt.

Und um Spass für unsere Hunde geht es im Agility … oder etwa nicht?

Foto: Emery Way (originally posted to Flickr as [1]), via Wikimedia Commons
Foto: Emery Way (originally posted to Flickr as [1]), via Wikimedia Commons

Alexandra Hüsser ist Inhaberin der Hundeschule Hochdorf im luzernischen Hochdorf.

  • Mein Hund heisst Baileys.
  • Mein Motto im Umgang mit Hunden lautet: "Behandle deinen Hund so, wie du selbst gerne behandelt werden möchtest".
  • Der Film, in dem mein Hund die Hauptrolle spielen würde, hätte den Titel …"Das perfekte Dinner ... ist das Dinner perfekt genug für mich?"
  • Mein Lieblingsbuch zum Thema Hund: Da gibt es viele, aktuell: "einfach artgerecht", Anders Hallgren, Cadmos-Verlag.
  • Was ich an meinem Hund besonders liebe: Er berührt ganz viele Menschen im Herz - ein Herzenshund!
  • Mein erster Hund war ein Samojede namens Lasko.

 

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