Wissenschaft

Biene Maja war vermutlich hochbegabt

Britischen Forscher haben mit einem Experiment gleich zweierlei gezeigt: Wir besitzen unsere Fähigkeiten weit weniger exklusiv als wir denken. Und mit auf Belohnung basiertem Training kann man sogar Hummeln etwas beibringen.

Wenn es um Intelligenz geht, dachte man lange, dass es auf die Grösse ankommt: je grösser das Gehirn, desto besser die "Denkleistung". Dass dem nicht so ist, weiss man allerspätestens seit Neukaledonische Krähen den Wasserkrug-Test bestanden und Forscher ihnen aufgrund diverser zusätzlicher Test die Intelligenz und Lernfähigkeit eines fünf- bis siebenjährigen Kindes attestiert haben. Nun mögen vor allem Freunde von Wellensittich & Co. Vögeln auch aus eigener Erfahrung eine gewisse Lernfähigkeit zugestehen, schliesslich hat der gefiederte Kindheitsbegleiter Pepito einwandfrei die ersten vier Zeilen von Schillers Glocke aufsagen können. Das können Kraken zwar nicht, aber wer hätte gedacht, dass diese Weichtiere z.B. viele Irrgarten-Probleme effizienter lösen als die meisten Säugetiere. Und sie können abstrahieren, dass vom eigenen Spiegelbild keine Gefahr ausgeht.

 

Es sieht also ganz so aus, dass die Intelligenzhierarchie der Lebewesen um einiges flacher verläuft, als es der menschlicherseits selbstverliehene Titel "Krone der Schöpfung" eigentlich erwarten liesse. Und es sieht ebenfalls so aus, als ob wir mit unserem Wissen über die Fähigkeiten unserer Mitgeschöpfe erst am Anfang stehen. Man kann es aber auch so sehen: Es warten ziemlich sicher noch einige Überraschungen auf uns. So wie die von letzter Woche.

Da machte das Ergebnis eines Experiments die Runde, das erneut bestätigt, dass manche unserer Fähigkeiten bei weitem nicht exklusiv menschlich sind. Und nicht nur das: manches, dessen wir uns rühmen, lässt sich durchaus mit wesentlich kleineren Hirnen bewältigen. Zum Beispiel mit einem in Hummelgrösse.

 

Wissenschaftler der Queen-Mary-Universität in London haben Hummeln beigebracht, an einer Schnur zu ziehen, um an Futter zu kommen. Bei insgesamt 23 von 40 Bienen war das Training erfolgreich. Dass es auch tatsächlich das Training und kein Zufall war, der die Hummeln zur Schnur "greifen" liess, zeigte die Kontrollgruppe, die nicht trainiert wurde: hier kamen nur zwei von 110 Hummeln an das Futter.

 

Noch erstaunlicher allerdings war eine andere Beobachtung. Die Forscher stellten fest, dass die trainierten Hummeln offensichtlich in der Lage sind, das Gelernte weiterzugeben, also einerseits zu lehren, und andererseits Neues zu lernen. 60 Prozent der Hummeln, welche ihre Artgenossen beim Training beobachtet hatten, konnten später die selbe Technik anwenden, um an das Futter zu kommen. Setzten die Forscher eine trainierte Hummel in eine Kolonie war bald darauf die Mehrheit der anderen Hummeln ebenfalls in der Lage, sich mittels Ziehen an der Schnur mit Futter zu versorgen. Und das Wissen wurde an die Folgegenerationen weiter gegeben.

 

Das bedeutet, dass bei Hummeln offensichtlich soziales Lernen stattfindet und Wissen "tradiert" wird, also eine kulturelle Tradition existiert. Beide Fähigkeiten galten bisher als Alleinstellungsmerkmal des Menschen. Anscheinend aber sind sie auch bei Tieren verbreitet.

 

Als nächstes wollen die Wissenschaftler nun herausfinden, wie diese Insekten all das mit ihrem kleinen Hirn bewältigen, dazu Projektleiter Professor Lars Chittka: “Wie sieht das neuronale System aus, das solche komplexen Fähigkeiten ermöglicht, wie schaffen es dieses kleine Hirn und das Miniatur-Nervensystem, eine deratige Vielfalt an Verhaltensformen und kognitiven Fähigkeiten zu managen?"

 

Man ist geneigt zu ergänzen: Und die kleinen Brummer bei all dem auch noch fliegen zu lassen!

Zusammenfassung/Übersetzung: Martina Monti


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